didacta: Interview mit der Direktorin der gemeinnützigen Gesellschaft LitCam, Karin Plötz

Viele Kinder in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben. Die gemeinnützige Gesellschaft LitCam will mit dem Thema Fußball mehr Kinder und Jugendliche für Bildung und Kultur begeistern. Direktorin Karin Plötz erklärt im Interview, wie man beispielsweise aus Ballkünstlern Leseratten macht.

Frau Plötz, Sie werden mit Ihrer Organisation LitCam den Preis „didacta Bildungsbotschafter 2019“ erhalten. Wofür engagieren Sie sich?
Wir setzen uns für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit ein, speziell für Kinder und Jugendliche.

Ihr Leitgedanke ist „Kompetenz fürs Leben“. Was verstehen Sie darunter?
Durch das Projekt „Fußball trifft Kultur“ wollen wir nicht nur dafür sorgen, dass die teilnehmenden Kinder bessere Noten erreichen, sondern ihnen auch Werte und Strukturen vermitteln, die ihnen auf dem weiteren Lebensweg nützlich sein können. Das Projekt läuft mindestens über ein Schuljahr, es nehmen immer 24 Kinder in zwei Gruppen daran teil. Zweimal die Woche erhalten sie ein Fußballtraining, das in Zusammenarbeit mit einem renommierten lokalen Fußballclub aus den deutschen Profi-Ligen stattfindet. Zusätzlich bekommen sie Förderunterricht, den wir bei uns Kompetenztraining nennen. Eine Stunde Fußball, eine Stunde Unterricht – also gewissermaßen zwei Halbzeiten. Mit dem Fußballspielen wollen wir die Kinder motivieren, am Unterricht teilzunehmen. Mittlerweile bieten wir „Fußball trifft Kultur“ an 27 Standorten in ganz Deutschland an. Zusätzlich finden regelmäßig kulturelle Events für Schüler statt: Theater-Workshops, Lesungen oder Besuche im Museum. Und am Ende des Projektjahres findet als Highlight, das große „Fußball trifft Kultur“-Abschlussturnier, statt, an dem alle bundesweiten Projektgruppen teilnehmen.

Warum nimmt Fußballspielen bei Ihnen so eine prominente Rolle in der gemeinnützigen Arbeit ein?
Wir haben den Fußball gewählt, weil er bei allen Kindern beliebt ist, egal wo sie leben oder aus welchem Land sie kommen. Zudem ist Fußball auch ein Mannschaftssport, der Strukturen, Fairness und Team-Arbeit verlangt, weshalb die Kinder soziale Kompetenzen spielend erlernen können.

Mit dem sogenannten „Lese-Kicker“ haben Sie 2014 einen Preis für das beste Fußball-Kinderbuch initiiert. Wie entstand die Idee?
Fußball wirkt. Ich kam einmal in eine Klasse und hatte eine Zeitschrift mit einem kurzen Bericht über den Fußballer Christiano Ronaldo dabei. Der Artikel war ungefähr eine Seite lang. Die Jungen, die sonst eigentlich gar nicht gerne lesen, haben sich darum gerissen und ihn dann in Gänze gelesen. Da merkte ich, wenn das Thema stimmt, dann werden auch die Kinder lesen, denen man immer nachsagt, sie hätten keinen Spaß daran. Andererseits haben wir festgestellt, dass viele Kinderbücher über Fußball entweder zu anspruchslos oder zu anspruchsvoll sind, um unsere Zielgruppe anzusprechen, die man zum Lesen bringen möchte. Deshalb haben wir uns entschlossen, Kinderbücher auszuzeichnen, die sich dem Thema Fußball gelungen nähern. Die LitCam veranstaltet zudem rund um den „Lese-Kicker“-Preis deutschlandweit Lese-Förderaktionen. 100 Klassen lesen die Titel der Shortlist und wählen dann gemeinsam mit einer Jury ihre Favoriten aus.

Welche Rolle spielen Profi-Fußballer wie der „Lese-Kicker“-Preisträger Mario Götze oder Jury-Mitglied und Fußballweltmeisterin Nia Künzer für Ihre Arbeit?
Sie sind Vorbilder. Aussagekräftige Botschafter wie unser Jury-Mitglied Manuel Neuer sind Vorbilder für die Kinder. Sie können ihnen beispielsweise vermitteln, dass es nicht so einfach ist, Fußballer zu sein, sondern, viel Arbeit, Fleiß und Lernen dazugehört. Man kann vom Profifußball halten, was man will, aber für uns ist er ein super Instrument, um Kinder zu fördern.

Dunkelfeldstudie soll erstmalig in Nordrhein-Westfalen Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer erhellen

Erstmals wird Nordrhein-Westfalen eine Dunkelfeldstudie zu Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer durchführen. Die repräsentative Befragung „Sicherheit und Gewalt in Nordrhein-Westfalen“ soll Ergebnisse über Gewaltkriminalität – unabhängig vom Anzeigeverhalten der Opfer oder späteren Strafverfahren – liefern und das Sicherheitsempfinden in Nordrhein-Westfalen erfassen.

Dunkelfeldstudie soll erstmalig in Nordrhein-Westfalen Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer erhellen

Dunkelfeldstudie soll erstmalig in Nordrhein-Westfalen Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer erhellen

Ministerin Scharrenbach und Minister Reul: Dunkelfeldstudie soll erstmalig in Nordrhein-Westfalen Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer erhellen

Erstmals wird Nordrhein-Westfalen eine Dunkelfeldstudie zu Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer durchführen. Die repräsentative Befragung „Sicherheit und Gewalt in Nordrhein-Westfalen“ soll Ergebnisse über Gewaltkriminalität – unabhängig vom Anzeigeverhalten der Opfer oder späteren Strafverfahren – liefern und das Sicherheitsempfinden in Nordrhein-Westfalen erfassen.

Ministerin Ina Scharrenbach: „Seit den widerwärtigen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015/2016 und meiner Arbeit im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss habe ich mich dafür stark gemacht, dass auch in Nordrhein-Westfalen eine Studie durchgeführt wird, die das Dunkelfeld bei Gewalt gegen Mädchen und Frauen erhellt. Unverändert ist es so, dass viele Straftaten nicht zur Anzeige gebracht werden. Und wir wollen wissen, warum. Ziel ist es, mit den gewonnenen Erkenntnissen die vorhandenen Angebote weiterzuentwickeln und auszubauen. Dabei wird die nordrhein-westfälische Landesregierung – bundesweit einmalig – auch Gewalt gegen Jungen und Männer zum Gegenstand einer Befragung machen.“

Minister Herbert Reul: „Sicherheit ist nicht nur ein Fakt, sondern auch ein Gefühl. Wir können nicht alles mit Zahlen und Fakten erfassen, sondern müssen auch darauf hören, was die Menschen empfinden. Deshalb wollen wir durch die Bürgerbefragung erfahren, wann und wie sich die Leute sicher fühlen, aber auch, wann sie sich eben nicht sicher gefühlt haben, vielleicht sogar Opfer von Gewalt geworden sind und sich nicht an die Polizei gewendet haben. Die Ergebnisse können uns am Ende helfen, das Dunkelfeld der Kriminalität zu erhellen und unsere Arbeit und die Sicherheit des Landes weiter zu verbessern.“

Sternenfänger: Hilfe für die Kleinsten und ihre Eltern

Mit frisch handgearbeiteten Engeln beginnt die Gruppe Sternenfänger das Jahr 2019. Die Gruppe, die im Bereich der Engelskinderhilfe (auch Sternenkinder genannt) aktiv ist, fand sich bereits 2011. „Bisher wurden im Kleinen Eltern von Engelskindern betreut, nun möchten wir wachsen und sind froh, dass wir einen Platz im Verein Child’s Horizon gefunden haben. Wir bestehen aus vierzehn Frauen und Müttern aus dem Kreis Viersen und Umgebung, die sich ehrenamtlich und mit viel Herz einsetzen.“

Zwischen 0,2 und 0,3 Prozent aller Kinder kommen in Deutschland tot zur Welt. Mediziner sprechen von einer „stillen Geburt“, denn das Kind gibt keinen Schrei von sich, wenn es geboren wird. Sprechen von Sternen- oder Engelskindern. Viele Eltern, die mit einer Totgeburt konfrontiert werden, fallen nach der Diagnose in einen Schockzustand. Hier versucht die Gruppe „Sternenfänger“ eine Stütze zu sein, hier beginnt die ehrenamtliche Arbeit, Gespräche, Trauerbegleitung und das Herstellen von Erinnerungsstücken an einen Engel, dem keine Chance gegeben wurde. Einen Engel, der nie vergessen wird.